Geschichte


  „Janus e.V., Angebote für Menschen mit geistiger Behinderung im Kreis Paderborn“, das ist seit dem Jahr 2010 der neue Name unseres Vereins, zeitgemäß und angepasst an unser derzeitiges Selbstverständnis und unsere aktuellen Aktivitäten. Die Geschichte von Janus ist jedoch schon lang und inhaltsreich, und seine Gründung jährte sich im Jahr 2012 nun zum 40. Mal!



 Es war im Jahr 1972, als sich 15 Elternpaare für ihre Kinder mit einer geistigen Behinderung ein lebenswerteres Leben und mehr Unterstützung wünschten. Zu dieser Zeit gab es im Kreis Paderborn keine Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und so gut wie keine Beratung oder Hilfen für ihre Angehörigen. Sie setzten sich zusammen und gründeten einen Verein, dem sie zuerst den Namen „Hilfen für das geistig behinderte Kind e.V.“ gaben. Da sie jedoch regen Zulauf auch von Eltern erwachsener Kinder erfuhren, wurde er noch im selben Jahr umbenannt in „Verein zur Hilfe Geistigbehinderter e.V. Paderborn“.


 Mit diesem Namen sind zahlreiche Denkanstöße, Initiativen und Aktivitäten für Menschen mit geistiger Behinderung verbunden. So war der Verein letztlich an der Gründung aller Einrichtungen für diese Zielgruppe in unserer Stadt zumindest als Anstoßgeber, häufig aber auch aktiv beteiligt. So entstanden seit dem Jahr 1972 der „Heilpädagogische Kindergarten St. Hildegard“, die „Hermann-Schmidt-Schule“, die „Schlosswerkstätten“ und die ersten Wohnheime „St. Kilian“ in Lichtenau und „St. Marien“ in Schloss Neuhaus.
Durch Geld- und Sachzuwendungen haben wir jahrelang zur besseren Ausstattung dieser Einrichtungen beigetragen: wir bezuschussten die Anschaffung von Spiel- und Fördermaterialien, die Fortbildung von pädagogischem Fachpersonal, Elternlehrgänge und Familienfreizeiten.
Weitere Initiativen seien hier nur kurz aufgezählt: 1979 setzten wir uns für die Zahnstation für Menschen mit Behinderung im Landeshospital ein; es entstanden die Bushaltestellen am Merschweg und die Brücke über die Alme hinter der Hermann Schmidt-Schule für eine bessere Erreichbarkeit der Einrichtungen.
Auch die Freizeitangebote für Menschen mit Behinderung begannen sich mit unserer Unterstützung zu entwickeln: seit 1978 gibt es eine Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Paderborn und adäquate Kursangebote; in den Folgejahren entstanden besondere Sportangebote unter der Federführung des TURA Elsen und seit 1989 sind wir Mitglied in der Kulturwerkstatt.



 Ein wesentlicher Baustein in der Geschichte unseres Vereins wurde im Jahr 1990 gesetzt: Als 94 Personen auf einer Warteliste für einen Wohnheimplatz stehen und kein Träger im Kreis ein Wohnheim bauen will, entscheidet sich unser Verein, selbst eine neue Wohneinrichtung zu schaffen. Am 10.12.1990 erhalten wir die Bedarfsbestätigung durch den Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) und am 12.07.1991 wird die „Wohnen für Behinderte gemeinnützige GmbH“ gegründet. Neben uns als Hauptgesellschafter waren der „Mach mit e.V.“ und der „Verein zur Förderung Körperbehinderter e.V.“, der inzwischen ausgeschieden ist, beteiligt.
Die „Wohnen für Behinderte gGmbH“ konnte im Dezember 1994 das „Wohnheim Kirchborchen“ mit 34 Plätzen eröffnen. Bereits 1993 begannen die Planungen für das Kurzzeitpflegehaus „Wilhelmshöhe“ mit 15 Plätzen, welches sich inzwischen in Trägerschaft der Stiftung Bethel befindet. Aus dem bereits 1974 initiierten „Aufpassdienst“ durch Eltern und Studenten gründet die gGmbH nunmehr im Jahr 1996 den Familien unterstützenden Dienst (FuD) in der Königstraße. Dieser hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine nicht unbeachtliche Entwicklung vollzogen und neben der enormen quantitativen Ausweitung in der Schul- und Freizeitbegleitung auch qualitative Maßstäbe gesetzt. Neu entstanden ist im Rahmen des FuD das Angebot einer Beratungsstelle, das Café Königskinder und die Gruppen- und Ferienangebote. Jüngstes Angebot der gGmbH ist seit dem Jahr 2008 schließlich das Ambulant betreute Wohnen (AbW).



 All diese vielfältigen Aktivitäten und das große Engagement sind unseren Mitgliedern und nicht zuletzt den Vereinsvorsitzenden zu verdanken, welche sich mit z. T. außergewöhnlichem Einsatz in den Verein eingebracht haben. Unser erster Vorsitzender Rolf Schmidt hatte dieses Amt von 1972 -1982 inne. Er war immer der Motor des Vereins, auch noch als Ehrenvorsitzender in den Jahren bis zu seinem Tod 1999. Er war Planer, Anstoßgeber und unermüdlicher Arbeiter, er aktivierte Eltern, Vertreter der Verwaltungen, Mitarbeiter der Städte und des Landschaftsverbandes, die caritativen Verbände und nicht zuletzt die Spender. Er warb um Verständnis für eine Gruppe von Menschen, denen bis dahin wenig Aufmerksamkeit entgegen gebracht wurde und motivierte zu aktiver Mitarbeit. 1986 wurde ihm für seine Arbeit das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Im Jahr 1972 brachte Rolf Schmidt engagierte Menschen aus verschiedenen Berufsgruppen und Ämtern an einen Tisch. So entstand ein Beirat unter Vorsitz von Kreisdirektor Dr. Heribert Wesche, welcher bis zu seinem Tod ein wertvoller Unterstützer aller neuen Ideen zur Verbesserung der Lage der Menschen mit geistiger Behinderung im Kreis Paderborn war.



 Die folgenden Vorsitzenden führten die Arbeit fort und setzten eigene Akzente:                   
1982 - 1985 Robert E. Formanek
1985 - 1990 Horst Jahn
1990 - 1998 Rudi Mersch
1998 - 2012 Ute Honervogt-Morgenroth                                                                                                       
2012 - 2014 Lothar G. Flick
seit 2014 Horst Jahn



 Im Jahr 2016 hat der Janus e.V 130 Mitglieder. Er organisiert pro Jahr über 40 Volkshochschulkurse und veranstaltet jährlich zwei große Feste für bis zu 300 Besucher. Die „Kameradschaft ehemaliger Soldaten Kirchborchen 1912 e. V.“ unterstützt ihn seit über 25 Jahren bei der Ausrichtung des Karnevalsfestes in der Gemeindehalle Kirchborchen. Ebenso unterstützen die Schützen des „Heimatschutzverein Neuenbeken e. V.“ ihn bei der Ausrichtung des Herbstfestes in der Beketalhalle Neuenbeken.



 Inzwischen werden die meisten inhaltliche Aufgaben unseres Vereins von den vielfältigen Einrichtungen und die Organisation der Kursangebote und der Feste vom Janus e.V. und dem Wohnheim Kirchborchen übernommen.
Nunmehr wünschen sich die Vorstandsmitglieder Eltern und Interessierte, die bereit sind, in die Arbeit des Vereins mit einzusteigen und den Janus e. V. mit seinen Anliegen und Aktivitäten, die auch in unseren Zeiten auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft nichts an Aktualität eingebüßt haben, engagiert in die Zukunft zu führen!